Tierarzt-Sprechstunde: Auch auf Reisen sicher – wie Du Deinen Hund vor Mittelmeererkrankungen schützt

Sommerzeit ist Reisezeit. Wenn Du Deinen Hund allerdings in südliche Länder mitnehmen möchtest, solltest Du Dich vorher genau über die Infektionsrisiken von Krankheiten in den einzelnen Regionen informieren. Im Interview mit unserem Tierarzt Philipp Schledorn erfährst Du, welche Mittelmeer-Krankheiten gefährlich werden können und wie Du Deinen Hund vor einer Ansteckung schützt.

AniForte®: Welche Hundekrankheiten kennt man aus dem Mittelmeerraum, die bei uns nicht oder selten vorkommen?
Tierarzt: Leishmaniose ist ein gutes Beispiel. Diese Infektionskrankheit tritt hauptsächlich in Spanien, Griechenland und Süd-Frankreich auf und wird durch Stechmücken (Sandmücken) übertragen. Ihre Symptome sind eine chronische Krallenbettentzündung, vermehrtes Wachstum der Krallen, geschwollene Lymphknoten und Hautveränderungen. Hundebesitzer können insbesondere an der Augenbrille, der Innenseite der Ohren oder am Nasenrücken ihres Tieres Hautläsionen feststellen. Die Krankheit geht zudem mit Gewichtsverlust und Bewegungsunlust des Hundes einher. Da es zu Nierenversagen kommen kann, trinken viele Vierbeiner dann entsprechend mehr Wasser und lassen häufiger Urin ab.

AniForte®: Wie sieht die Therapie bei Leishmaniose aus?
Tierarzt: Sobald man Auffälligkeiten beobachtet, sollte man zum Tierarzt gehen und sich durch eine Blutanalyse die Diagnose bestätigen lassen. Im Anschluss wird der Hund mit Wachstumshemmern wie Alluporinol therapiert. Zusätzlich sollte man das Immunsystem stärken und eine Nierendiät durchführen. Die Heilungsaussichten sind gut, wenn die Infektion frühzeitig erkannt wird. Allerdings besteht durch die Sandmücken auch immer die Gefahr, dass die Krankheit auf den Menschen übergeht. Hier hilft nur die Prophylaxe - sich also erst gar nicht stechen zu lassen - und bei Symptomen sofort zum Arzt zu gehen. 

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AniForte®: Gibt es Erkrankungen vor denen man Hunde besser schützen kann?
Tierarzt: Ja, grundsätzlich sind alle Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden, durch einen guten Zeckenschutz vermeidbar. Zu diesen Infektionskrankheiten zählt beispielsweise die Ehrlichiose, die auch häufig in der Mittelmeerregion auftritt.

AniForte®: Woran erkenne ich, dass mein Hund an Ehrlichiose leidet?
Tierarzt: Nach der Infektion über den Speichel einer Zecke treten beim Hund Blutungen am Zahnfleisch, Hämatome an der Haut und Nasenbluten auf. Unsichtbar findet eine Vergrößerung der Milz und Leber statt, sichtbar haben diese Tiere aber geschwollene Lymphknoten. Oft kommt es auch zu einer Veränderung der Augenfarbe (Uveitis) und der Netzhaut, was bis hin zur Erblindung führen kann. Hunde, die an Ehrlichiose erkrankt sind, leiden auch an epileptischen Anfällen und zeigen Auffälligkeiten im Bewegungsablauf oder Zittern. Die geplagten Tiere haben Gelenkschmerzen, Blutarmut und bekommen Fieber. Als Hundehalter kann man manchmal ungewöhnliches Husten und blasse Schleimhäute feststellen. Besonders augenscheinlich ist auch der blutige Urin.

AniForte®: Wie behandeln Sie solch einen Fall von Ehrlichiose?
Tierarzt: Nach der Blutanalyse verschreibe ich für 7-21 Tage das Antibiotikum Doxycyclin jeweils in Mengen von 10-25mg pro Kilo Futter. Auch hier ist es natürlich wichtig, dass die Symptome frühzeitig erkannt werden und der Hund trotz Urlaubs behandelt werden kann. Aber am besten ist natürlich immer noch, sich durch eine gute Prophylaxe erst gar nicht von Zecken beißen zu lassen.

AniForte®: Gegen welche Infektionskrankheiten raten Sie noch zu Zeckenschutz?
Tierarzt: Eine typische Mittelmeer-Erkrankung durch Zecken ist die Babesiose, auch Hunde-Malaria genannt. Hierbei handelt es sich um einen Blutparasit, der die roten Blutkörperchen des Hundes zerstört und so zu einer Blutarmut führt. Betroffene Tiere bekommen Fieber und zeigen sich apathisch. Außerdem haben sie ein reduziertes Verlangen nach Futteraufnahme und ihre Schleimhäute sowie die Haut verfärbt sich aufgrund der Gelbsucht. Für uns Ärzte sind auch Vergrößerungen von Milz und Leber sowie Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) erkennbar.

AniForte®: Hunde-Malaria klingt sehr gefährlich. Wie verlaufen Diagnose und Therapie?
Tierarzt: Babesiose ist gefährlich, da sie tödlich enden kann. Sie ist aber durch ein klinisches Bild, eine Blutanalyse, einen Ultraschall der Bauchorgane und Blutausstriche mit verschiedenen Färbungen auch gut beim Hund nachweisbar. In der Folge kann dann z.B. mit Imidocarb dipropionat und Phenamidin (Babesia) therapiert werden. Die Wirkstoffe werden 2-3 Mal mit einer Spritze in die Haut des Vierbeiners injiziert. Anschließend sollten regelmäßige Blutkontrollen stattfinden, um die Blutarmut des Hundes unter Kontrolle zu halten.

AniForte®: Das klingt nach einem harten Leidensweg. Wie kann ich meinem Hund eine Ansteckung ersparen?
Tierarzt: Bei einem Urlaub im Mittelmeer-Raum sollte man unbedingt vorher an Zeckenphrophylaxe für seinen Hund denken. Sollte ein Hund dennoch gebissen werden, rate ich dazu, die Zecke schnellst möglichst zu entfernen. Ansonsten hilft Wachsamkeit und eine gesunde Einstellung: Wenn ein Tierarzt in einem Land notwendig ist, dessen Sprache man nicht spricht, sollte man im Interesse des Hundes seine Bedenken über Bord werfen und ihn dennoch aufsuchen. Symptome sind nämlich international.

AniForte®: Vor welchen Parasiten sollte man sich in der Mittelmeer-Region noch in Acht nehmen?
Tierarzt: Vor Würmern. Über Stechmücken wird ein besonders fieser Parasit übertragen: der Dirofilariose Herzwurm. Wie der Name schon sagt, verstopfen diese Würmer die Hauptgefäße des Herzens. Das kann sehr unangenehm für den Hund werden, denn die Würmer werden bis zu 30cm lang.

AniForte®: An welchen Anzeichen erkenne ich, dass mein Hund einen Herzwurm hat?
Tierarzt: Die Tiere magern sichtbar ab. Außerdem husten sie viel und tun sich allgemein schwer mit der Atmung. Dadurch haben infizierte Hunde auch eine reduzierte Kondition und wirken schwach. Wir finden dann in der Praxis Ödeme und Ascites, das sind Wasseransammlungen, im Bauchraum. Über ein Herzultraschall, EKG und das Röntgen des Brustkorbes und des Bauches sind dann die Parasiten nachweisbar.

AniForte®: Wie stehen die Heilungschancen bei einem dirofilariosen Herzwurm?
Tierarzt: Das hängt leider von der Stärke des Befalls ab. Wenn die Würmer noch nicht ausgewachsen sind, können wir den Hund mit Diethylcarbamazin oder Melarsamin behandeln. Ausgewachsene Parasiten blockieren rein mechanisch die Blutgefäße. Dadurch besteht die Gefahr, dass auch die toten Würmer, während der Therapie, zu einer Verstopfung der Gefäße führen. Das ist sehr gefährlich und kann bis hin zum Herzversagen führen.

AniForte®: Wie kann ich meinen Hund vor dem Herzwurm schützen?
Tierarzt: Stechmücken übertragen die Larven des Wurmes. Diese überleben meist Wochen im Blutkreislauf des Tieres bis sie in das Herz wandern und sich dort vergrößern. Es gilt also entweder direkt den Stich zu verhindern oder den Hund mit einer Wurmkur vor und im Urlaub auf den Kampf gegen die Parasiten vorzubereiten.

AniForte®: Gibt es auch Reisekrankheiten für Hunde, die in den kühleren Regionen Europas auftreten?
Tierarzt: Ja, überall wo Zecken zuhause sind, kann es auch zu einer Infektion mit Anaplasmose kommen. Die mit der Ehrlichiose eng verwandten Bakterien kommen in Bulgarien, England, Frankreich, Norditalien, Kroatien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, der Schweiz, Slowenien, Nordspanien, Tschechien und Ungarn vor. Wobei mittlerweile durch den Klimawandel auch vereinzelt Fälle in anderen Ländern auftreten.

AniForte®: Welche Symptome zeigt ein Hund, der mit Anaplasma-Bakterien infiziert ist?
Tierarzt: Diese Tiere bekommen Fieber und wirken teilnahmslos. Außerdem fällt ihre Appetitlosigkeit auf. Diese gepaart mit Durchfall und Erbrechen kann zu einem Gewichtverlust des Hundes führen. Manchmal findet man auch Blutungen und Lahmheit in Folge von Gelenkentzündungen.

AniForte®: Wie behandelt man eine Anaplasmose?
Tierarzt: Beim Tierarzt kann die Infektion über eine Blutanalyse nachgewiesen werden. Im Anschluss erfolgt eine Antibiotikatherapie für 21 Tage. Ich kann aber auch für diese Krankheit nur empfehlen, frühzeitig an einen ausreichenden Zeckenschutz für die Hunde zu denken. Wer vorsorgt, wird sich später über einen sorgenfreien Urlaub freuen, wer einfach abwartet, der erlebt leider böse Überraschungen auf Reisen.

AniForte®: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.
Tierarzt: Vielen Dank für die Einladung und allen Hundehaltern und ihren Vierbeinern einen wunderbaren Urlaub!


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