Pferde & Insekten: So wirst Du die lästigen Plagegeister wieder los

Pferd und Reiter sind in den Sommermonaten oft schwer genervt von den fliegenden Plagegeistern, die um sie herum surren. Während Dein Tier versucht, mit Kopf- und Schweifschlagen, Treten und Wegrennen gegen die Insekten anzukommen, fragst Du Dich als Halter, wie Du Dein Pferd bei der Abwehr unterstützen kannst – am besten mit natürlichen Mitteln. Antworten gibt unsere Tierheilpraktikerin Angelica von AniForte, die auch weiß, warum viele der schwirrenden Nervtöter nicht nur lästig, sondern auch gesundheitsgefährdend sind.

Welche Insekten verursachen Probleme für Dein Pferd?

Viele Insekten sind weit mehr als lästig - sie können in einer Herde für Unruhe sorgen, Allergien auslösen, Wunden infizieren und Entzündungen hervorrufen. In den Monaten von Mai bis August neigen Pferde durch den dauernden Kontakt mit den Plagegeistern vermehrt zu Schreckhaftigkeit und Nervosität. Das wiederum bewirkt Reizbarkeit und Stress, und kann in Folge auch zu Abmagerung und Konditionsverlust führen. Dieser Zustand wird noch verschlimmert, wenn Dein Pferd selbst im Stall nicht vor seinen Verfolgern sicher ist.

Neben der offensichtlichen Belästigung, die Insekten für Pferd und Reiter bedeuten, hinterlassen diese oft juckende Stiche und Quaddeln, die durch Scheuern zu unangenehmen Entzündungsstellen werden können. Richtig gefährlich werden die Bisse, wenn die Fliegen Krankheiten übertragen. Die folgenden Insekten können Deinem Pferd das Leben schwer machen.

Echte Fliegen

Zu den echten Fliegen zählt beispielsweise der Wadenstecher, der sich sehr gerne in Ställen aufhält. Diese Stechfliege ist ein typischer Überträger von Krankheiten, da er mit seinem Saugrüssel z.B. Bakterien überträgt.

Andere Unterarten der echten Fliegen stechen zwar nicht, saugen aber mit Vorliebe Tränenflüssigkeit. Du kennst sie bestimmt, denn in den Sommermonaten sitzen sie in großen Mengen um die Augen und vor allem im inneren Augenwinkel Deines Pferdes. Mit ihren Beinhärchen können sie Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken übertragen, die die Bindehaut entzünden.

Typische Kennzeichen einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) sind stark tränende Augen und eine gerötete Bindehaut, die hervorquellen kann. Auch die Augenlider können anschwellen. Das betroffene Auge Deines Pferdes juckt, schmerzt und ist lichtempfindlich.

Gnitzen und Kriebelmücken

Gnitzen (Culicoides-Mücken) halten sich von Mai bis Oktober in windgeschützten Feuchtgebieten auf, während Kriebelmücken vorwiegend im Mai und September in der Nähe von Flüssen und Bächen zu finden sind. Beide Mückenarten schwärmen vor allem in der Dämmerung, Kriebelmücken belästigen Dein Tier aber auch nachts. Sowohl Gnitzen als auch Kriebelmücken stechen vorzugsweise in wenig behaarte Körperstellen wie Mähnenkamm, Schweifrübe und Bauchnaht.

Beim Stechen sondern die Mücken ein blutgerinnungshemmendes Sekret ab, das starken Juckreiz auslöst und Dein Pferd zum Scheuern veranlasst. Dadurch können sich die anfangs nur stecknadelgroßen Papeln zu ekzemartigen Wunden entwickeln, mit mehr oder weniger kahl gescheuerten Mähnen und Schweifrüben. Bilden sich bei Deinem Pferd zusätzlich noch kleine nässende Wunden an Kopf, Hals und Kruppe, handelt es sich wahrscheinlich um ein Sommerekzem. Das ist eine allergische Hautreaktion auf den Speichel von Stechinsekten, die sich durch eindringende Bakterien zusätzlich entzünden kann. Nicht nur Gnitzen und Kriebelmücken können dafür verantwortlich sein, auch andere Stechmücken rufen diese allergische Reaktion hervor.

Zecken

Zecken können bei Pferden Borreliose oder Babesiose übertragen. Bevorzugte Bissstellen sind schlecht erreichbare Körperstellen wie die Ellenbogenbeugen, Schenkelinnenseiten oder der Kopf und Hals Deines Pferdes. Besonders häufig ist der „Gemeine Holzbock“, der seine Hochzeit im Frühjahr und Spätsommer hat. Zecken sitzen im Gestrüpp oder auf hoch gewachsenem Gras, um dort ihren Opfern aufzulauern und von ihnen unbemerkt abgestreift zu werden. Gefährdet sind vor allem Weidepferde, deren Koppeln an Wäldern mit viel Laub grenzen.

Die Bremse

Pferdebremsen

Bremsen sind zwischen Mai und Oktober aktiv und fliegen Pferde, Kühe und auch Menschen an. Da sie nicht besonders gut sehen können, sondern nur hell und dunkel unterscheiden, orientieren sie sich an dunklen Gegenständen bzw. Körpern. Besondere Aufmerksamkeit zieht dabei alles auf sich, was in Bewegung ist und zudem noch einen starken Geruch, z.B. Schweiß, verströmt. Dein Pferd macht sich also sehr begehrt, wenn es über die Weide galoppiert.

In unseren Breitengraden sind Bremsen zum Glück keine Krankheitsüberträger, aber ihre Bisse sind äußerst schmerzhaft, jucken stark und können Allergien auslösen.

Wie kann ich mein Pferd vor Insekten schützen?

Um Krankheiten vorzubeugen oder einer dauerhaften Belästigung durch die Parasiten zu entgehen, gibt es zahlreiche Maßnahmen, die Du für Dein Tier treffen kannst.

Schutz durch Bekleidung oder Decken

Um sich vor Pferdebremsen zu schützen, helfen Pferd und Reiter helle Bekleidung. Feinmaschige Ekzemerdecken bringen Deinem Pferd Erleichterung im Frühjahr, Sommer und Herbst, und können vor den Gnitzen und Kriebelmücken bewahren. Neben der Feinmaschigkeit ist eine hohe Atmungsaktivität entscheidend. Besondere Funktionsstoffe sorgen dafür, dass darunter kein Hitzestau entsteht. Ebenso wichtig ist die Passform der Ekzemerdecke, gerade wenn sie rund um die Uhr getragen wird.

Den Fliegen, die um den Kopf herumschwirren, beugst Du mit Fransenstirnbändern oder Netzmasken vor. Fliegenhauben und Fliegenmasken können ebenfalls zur äußeren Abwehr von echten Fliegen eingesetzt werden.

Schutz durch Fliegenfallen

Auf der Weide können Bremsenfallen aufgestellt werden. Ihre Funktionsweise ist sehr effektiv, da die Insekten der Falle schwer entgehen können: Durch einen schwarzen Ball, den die Parasiten für einen Pferdehintern halten, werden sie durch ein Netz zu einem darüber hängenden Behälter mit Spülwasser-Füllung geleitet.

Auch durch das Aufstellen einer Fliegenfalle oder eines Fliegenvernichters, der mit Strom und Schwarzlicht betrieben wird, können Insekten ohne Gift und Chemie vernichtet werden. Alternativ bieten sich Fliegenstreifen an, die jedoch in sicheren Abstand zu Schwalben und Vögeln im Stall angebracht werden sollten. Auch andere kleine Fliegenabwehrmittel wie Klebestreifen, Lamellenstreifen oder Ventilatoren können Deinem Tier im Stall helfen.

Weidemanagement

Unter Weidemanagement versteht man angepasste Weidezeiten. So kannst Du Dein Pferd z.B. vor Gnitzen und Kriebelmücken schützen, indem es nur von 10 bis 16 Uhr draußen ist. So umgehst Du die Hauptflugzeiten. Auch bei schwül-warmer Witterung, kurz vor einem Sommerregen oder Gewitter sind Insekten vermehrt unterwegs. Wind und Sturm mögen sie dagegen nicht.

Weitere Maßnahmen zur Bekämpfung von Insekten sind geeignete Weideunterstände mit oben genannten Fliegenfallen. Idealerweise werden weitläufige Landstriche als Weidefläche genutzt, möglichst ohne Waldränder oder Nähe zu Gewässern. Wenn die Plage zu groß wird, kann auch vorübergehendes Einstallen helfen.

Repellents oder Insektenschutzmittel

Repellentien (=Abwehrmittel) töten die Insekten nicht, sondern vertreiben sie. Sie überdecken den Eigengeruch des Pferdes und halten Ungeziefer fern. Sie sind jedoch nur begrenzt wirksam. Für viele Pferdehalter stellt sich die Frage, ob diese chemisch sein sollten. Die synthetischen Wirkstoffe DEET (Diethyltoluamit) und Icardin sind sehr effektiv in der Abwehr, jedoch ist ihr Einsatz umstritten. Natürliche Alternativen, die auf der Kraft von ätherischen Ölen basieren, sind Lavendel, Geraniol, Neemöl, Zitronenöl, Nelken, Anis, Teebaumöl, Zedernholz.

Auch bei den Insektenschutzmitteln muss man nicht auf chemische Hämmer zurückgreifen. Zur Prophylaxe vor Sommerekzemen hilft z.B. ein Spray, das Dein Pferd mit einer Mischung aus verschiedenen Ölen vor starkem Fliegenbefall bewahrt. Um Schubbern und Entzündungen von Stichen zu vermeiden, kannst Du mit dem Bremsen EX Spray auf natürliche Weise wirksam vorbeugen. Der Sonnenschutz für Dein Pferd ist hier inklusive.

Weide- und Stallhygiene

Hygiene, ob im Stall, auf dem Paddock oder auf der Weide, ist oftmals die halbe Miete bei der Bekämpfung der Insektenplage. Du solltest auf der Weide darauf achten, Pferdeäpfel regelmäßig einzusammeln. Im Stall bieten Nassstellen, feuchtes Heu oder Silage, Abfalleimer, aber vor allem Tiefstreuboxen bevorzugte Brutplätze für Insektenweibchen. Wassereimer sollten entleert und kopfüber draußen zum Trocknen aufgestellt werden.

Zusätzlich kannst Du durch eine saubere Stallgasse, eine trockene Box und abgedeckte Regentonen, den Lebensraum der Insekten natürlich verkleinern. Idealerweise liegt der Misthaufen weit entfernt zum Stall. Das tägliche Ausmisten und Entfernen von Futterresten sowie das Säubern von Trögen und Tränken ist ebenfalls eine gute Grundlage, um einer Masse an Fliegen vorzubeugen.

Wenn Du all diese Maßnahmen zur Insektenabwehr berücksichtigst, hilfst Du dabei die Situation einzudämmen und für etwas mehr Ruhe zu sorgen. Dein Pferd wird es Dir danken!