Kolik beim Pferd – Unsere Tierheilpraktiker klären auf

Koliken bei Pferden treten in den Wintermonaten gehäuft auf. Mangelnde Bewegung und Trinkfaulheit sind nur einige Ursachen, die eine Kolik auslösen können. Wir verraten Dir, wie Du eine Kolik frühzeitig erkennst und sogar der Entstehung vorbeugen kannst.

Was ist eine Kolik?

Pferdehalter sind besonders sensibel, wenn es um das Thema Kolik geht – und das nicht ohne Grund. Denn Koliken zählen zu den häufigsten natürlichen Todesursachen bei Pferden.

Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich hierbei aber nicht um eine Krankheit, sondern um eine Ansammlung von Symptomen, z.B. Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum.

Koliken beim Pferd können sehr unterschiedlich verlaufen und auch unterschiedliche Ursachen haben. Meist entsteht die Kolik im Magen-Darm-Trakt des Tieres, aber auch andere Organe können betroffen sein.

Organe, die betroffen sein können

  • Magen-Darm-Trakt
  • Niere
  • Gallengänge

Die Schmerzen können sich aber auch auf andere Organe und Gewebe ausweiten.

Eine rasche, fachgerechte Untersuchung des Pferdes kann das Leid Deines Tieres lindern und sogar sein Leben retten. Früher galt, dass Pferde bei Kolikverdacht sich nicht hinlegen dürfen. Das ist mittlerweile überholt. Achte darauf, dass Dein Tier sich auf weichen Untergrund legen kann und genügend Platz um sich herum hat. So kann Verletzungen und Festliegen vorgebeugt werden.  

Wie erkennst Du Symptome einer Kolik beim Pferd?

Die Symptome einer Pferde-Kolik sind sehr unspezifisch. Das macht es schwer, die Anzeichen frühzeitig einzuordnen. Pferdehalter, die ihre Tiere sehr gut kennen, sind hier im Vorteil. Zeigt Dein Pferd Änderungen in seinem Verhalten, kann es bereits ein erstes Anzeichen für Schmerzen und Beschwerden sein.

Symptome-Kolik-Pferd

Fragen zur Verhaltensänderungen:

  • Wie viel frisst und trinkt Dein Pferd?
  • Wie viel Kot setzt das Tier pro Tag ab?
  • Welche Konsistenz hat der Kot?
  • Ist das Pferd lethargisch? Zeigt es eine Veränderung in Aktivität und Verhalten?
  • Wie lange und zu welcher Tageszeit legt sich das Tier nieder?

Pferde-Kolik bei Wetterumschwung - Winterwetter als Ursache

Ist im Frühjahr der Wechsel auf frisches Weidegrün mit sehr viel Fruktan die Gefahr für Koliken, so sind  im Herbst eine rohfaserreiche Ernährung durch zu viel Stroh und mangelnde Bewegung die Hauptursache.

Der Wechsel von der Weide in den Paddock oder Stall führt zwangsläufig zu weniger Aktivität bei den Tieren. Der Bewegungsmangel schlägt sich negativ auf den Stoffwechsel und die Verdauung nieder, kommen noch andere Faktoren wie Stress hinzu, ist eine Kolik beim Pferd sehr wahrscheinlich.

Pferd-im-Stall

Zudem trinken Pferde im Winter deutlich weniger. Das liegt mitunter an dem kaltem Wasser, das ihnen nicht zusagt - ein weiterer Faktor für eine träge Verdauung, die eine Verstopfungskolik begünstigt.

Auch Schlamm, Matsch und Sand sind häufige Ursachen für eine Pferde-Kolik. Schmutzpartikel werden im Herbst und Winter vermehrt mit dem Futter aufgenommen und können sich im Darm des Tieres ablagern. Dadurch gelangen auch Bakterien in den Organismus und schwächen das Tier von innen.

Wie kannst Du einer Kolik vorbeugen?

Durch richtige Pferdehaltung und Fütterung kannst Du das Risiko für eine Kolik deutlich reduzieren. Folgende Fehler solltest Du bei Deinem Pferd vermeiden:

Fütterungsfehler vermeiden

  • Zu wenig Raufutter – Pferde sollten durchgängig Zugang zu Raufutter wie Heu, Heulage oder Heucobs haben
  • Zu viel Kraftfutter vermeiden
  • Einwandfreie Futterqualität (staub-, schimmel- und fäulnisfrei) sicherstellen
  • Das Pferd mit kleinen Futtermengen versorgen (mindestens 3-mal über den gesamten Tag)
  • Keine zu langen Fresspausen (ab 4 Stunden) entstehen lassen
  • Weidemanagement beachten
  • Futteraufnahme ohne Sand, Schlamm & Co. – Sorge für eine einwandfreie Einstreu
  • Flohsamen zufüttern – Sie bringen die Darmtätigkeit in Bewegung
  • Magen-Darm anregende Kräuter untermischen
  • Bei Futterumstellung langsam die Fütterung umstellen
  • Trinkfaule Pferde zum Trinken animieren – Auf gute Wasserqualität achten, eher Eimer/Bottich verwenden statt Selbsttränke, vorübergehend etwas Apfelsaft unter das Wasser mischen

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Ausgewogene Bewegung

  • Langeweile vermeiden - Zu wenig Aktivität lässt den Darm träge werden und die Verdauung stocken
  • Zu viel Arbeit bewirkt das Gegenteil - Viele Turniere, häufiger Transport und Wechsel von Umgebungen können bei empfindlichen Pferden zu Stresskoliken führen

Zähne kontrollieren

  • Auch ein Pferd muss regelmäßig zum Zahnarzt. Pferdezähne wachsen nämlich ein Leben lang und müssen durch das Futter entsprechend abgerieben werden. Allerdings ist oft das Wachstum größer als der Abrieb. So können scharfe Kanten entstehen, was zu ungenügender Futterzerkleinerung führt. Frisst das Pferd zu große Futterbestandteile, können sich gasbildende Prozesse im Darm entwickeln mit Koliken als Folge.

Besuch beim Osteopathen

  • Die inneren Organe sind beim Pferd an der Wirbelsäule aufgehängt, Problematiken an den Organen und Wirbelfehlstellungen können sich gegenseitig bedingen. Ein Osteopath kann mittels Faszientherapie die Lage und Eigenbeweglichkeit der Organe kontrollieren und frühzeitig eingreifen. Faszien durchziehen beinahe den ganzen Körper und können z.B. durch Verklebungen die Organe stören.

Koliken beim Pferd unterscheiden

Es gibt verschiedene Arten von Koliken und auch unterschiedliche Ursachen. Kennt man sein Pferd und kann die Symptome einordnen, kann das dem Tier das Leben retten. Denn der Magen-Darm-Trakt des Pferdes ist sehr empfindlich und fast jeder Teil des Verdauungstrakts kann von einer Kolik betroffen sein. Folgende Koliken können bei Pferden auftreten:

Gaskolik Pferd

Eine Gaskolik beim Pferd erkennst Du insbesondere an vermehrten Blähungen, einem deutlich größeren Bauchumfang und vermehrten Darmgeräuschen. Blähendes und/oder schlechtes Futter, das mit Pilzen oder Bakterien behaftet ist, überreizt den Darm und führt zu Gasbildungen.

Verstopfungskolik Pferd

Eine Verstopfungskolik bildet sich u.a. im Dünndarm und äußert sich häufig durch dünnen und schlechtriechenden Kot. Mögliche Ursachen sind falsche Fütterung, zu geringe Wasseraufnahme, Tumore und zu geringe Darmperistaltik. Diese Kolikart kommt aber eher selten bei Pferden vor.

Sandkolik Pferd

Der Winter ist die ideale Zeit für Sandkoliken. Das Tier nimmt durch matschiges Stroh oder abgefressene Weiden Schmutzpartikel und Sand auf, diese lagern sich im Darm ab und werden nicht weitertransportiert Zu große Mengen an aufgenommenem Sand oder Erde können sich im Darm ablagern und die Verdauungstätigkeit beeinträchtigen. Achte daher vor allem im Winter darauf, dass Dein Pferd Zugang zu sauberem und trockenem Futter hat. Meide zudem abgefressene Weiden, wenn das Tier eine längere Zeit alleine grast.

Krampfkolik Pferd

Krampfkoliken bei Pferden sind spastische Koliken, die als Folge von Verdauungsproblemen auftreten. Eine erhöhte Darmtätigkeit führt dazu, dass das Tier starke Schmerzen hat und krampft. Fütterungsfehler, Stress und auch extremer Wurmbefall sind häufige Auslöser von Krampfkoliken.

Darmverlagerung

Der Darm des Pferdes wird im Inneren an Haltebändern gehalten, manche sind sehr lang. Das kann dazu führen, dass der Darm sich verlagert oder dreht und nicht mehr in der "normalen" Position liegt. Dadurch wird der Weg für den Nahrungsbrei versperrt und auch die Durchblutung des Darms eingeschränkt. Wird die Darmverlagerung nicht behoben, beginnt der Nahrungsbrei zu gären und die Gasbildung nimmt zu. Der Darm bläht sich auf und die Durchblutung verschlechtert sich zusätzlich. Leider kann es dazu führen, dass dieser Darmabschnitt abstirbt, was eine Operation nötig macht.

Die richtige Fütterung nach einer Kolik

In den ersten Tagen nach einer Kolik müssen die Fütterung und auch die Haltung des Pferdes angepasst werden. Die Umstellung richtet sich nach der Ursache und Behandlung der Kolik.

In der Regel sollte das Tier mit Schonkost gefüttert werden. Es gilt auch, Kraftfutter und Stroh zu vermeiden und auf Leckerlis zu verzichten. Füttere stattdessen viel gutes Heu. Zerkleinerte Futterbestandteile, Mash und eingeweichte Heucobs entlasten den Verdauungstrakt des Tieres zusätzlich. Achte auch vor allem auf das Trinkverhalten Deines Pferdes – eine ausreichende Wasserzufuhr ist jetzt essenziell. 

Flohsamenschalen-Pferd

Unsere Tierheilpraktiker empfehlen mit schleimbildendem Zusatzfutter den Magen-Darm-Trakt des Pferdes wieder aufzupäppeln. Flohsamen und Flohsamenschalen haben eine sehr hohe Quellkraft und Schleimbildung. Diese Eigenschaften fördern die Bewegungsfähigkeit des Darmes und unterstützen eine normale Aktivität. Zusätzlich legt sich eine schützende Schleimschicht auf die Darmwand.

Weitere Zusätze, die sich nach einer Kolik bewährt haben, sind Futteröle für Pferde zur Stärkung des allgemeinen Wohlbefindens sowie Trockenbierhefe. Auch entblähende und entkrampfende Kräutermischungen regen den Darm des Tieres wieder an und unterstützen bei der Verdauung.