Tierschutzverein Kreis Heinsberg – Ein Tierheim mit einer persönlichen Note

„Tierschutz leben – Chance geben“ lautet das Motto des Tierheims in Heinsberg. Wir haben uns den Tierschutzverein vor Ort angesehen, sehr viele interessante Eindrücke gewonnen und sogar ein persönliches Interview mit der Tierheimleitung Frau Braun ergattert. Wie die Arbeit des Tierheims aussieht und worauf bei der Tiervermittlung gründlich genau geachtet wird, erfährst Du im Folgenden.

AniForte®: Wann und wie kam es zur Gründung des Tierheimes Heinsberg?

Frau Braun: Das Tierheim Heinsberg wurde am 11. April 1975 gegründet. Menschen haben erkannt, dass ein Tierschutzverein im Kreis Heinsberg erforderlich ist und haben den Verein gegründet. Bis zur Öffnung des Tierheims verging jedoch sehr viel Zeit, es fehlte an passendem Grundstück und auch an Finanzen, wie das im Tierschutz häufig der Fall ist. Erst am 27. Mai 1987 konnte das Tierheim Heinsberg seine Pforten öffnen.

AniForte®: Jedes Jahr werden in Deutschland ungefähr 300.000 Tiere ausgesetzt. Besonders im Sommer steigen die Zahlen. Und auch Corona soll dazu beigetragen haben. Bekommen Sie das ebenfalls zu spüren? Wie viele ausgesetzte Tiere finden in der Regel den Weg zu Ihnen?

Frau Braun: Wir können bei uns im Tierheim nicht beobachten, dass es bestimmte Monate gibt, in denen Tiere vermehrt abgegeben werden. Bei uns ist es ganzjährig gleich hoch. Auch Corona hatte keinen Einfluss darauf, dass die Zahlen stiegen. Wir konnten keine einzige Abgabe zusätzlich verzeichnen, ganz im Gegenteil: Wir haben während dieser Zeit viel mehr Tiere vermittelt als üblich. Vermutlich hatten die Menschen mehr Zeit und wollten austesten, ob sie mit einem Tier zurechtkommen. Es gab natürlich auch Bedenken, dass nach Corona die Zahlen der abgegeben Tiere wieder steigen. Allerdings können wir das bisher nicht beobachten. Denn wir achten explizit darauf, an wen wir die Tiere vermitteln – unabhängig von Corona.

AniForte®: Inwiefern spüren Sie die Corona Auswirkungen bei Ihnen im Tierheim?

Frau Braun: Corona hat uns alle getroffen und eingeschränkt, gar keine Frage. Wir mussten unsere Tore schließen und hatten keine Besuchszeiten mehr. Zudem ist unser Sommerfest ausgefallen. Im Ganzen sind durch Corona ca. 1/3 der Einnahmen und Spenden weggefallen. Das wirkt sich natürlich auf viele Bereiche unserer Arbeit aus und wir müssen schauen, wie wir das auffangen und wieder ausgleichen. Zwar bekommen wir unregelmäßig Unterstützung, allerdings sehr gering. Wir hoffen, dass wir das irgendwie überbrückt bekommen.

Paradoxerweise hatte Corona auch Vorteile für unser Tierheim. Wir hatten die Möglichkeit unsere Abläufe neu zu strukturieren und in einem Zug auch die Besuchszeiten anzupassen. Das erleichtert uns unsere Arbeit. Ich würde auch sagen, dass es vielen anderen Tierheimen in Deutschland ebenso ging. Man versucht sich eben anzupassen und neue Wege zu gehen.

AniForte®: Was sind die häufigsten Gründe, warum die Menschen ihre Tiere bei Ihnen abgeben?

Frau Braun: Der Klassiker ist immer noch angeblich Allergie! Man kann natürlich nicht genau sagen, ob das stimmt oder nicht, es wird aber häufig als Grund angegeben. Weitere Gründe sind Umzug, und speziell bei den Hunden ist die völlige Überforderung eine immer wiederkehrende Begründung für die Abgabe.

Menschen schaffen sich Hunderassen an, die weder zu ihrem Charakter noch zu ihrem Lebensstil passen. Sobald die Tiere groß und ausgewachsen sind, werden die Probleme deutlich. Aggression und Überforderung sind die Resultate. Die meisten Tiere sind natürlich erziehungsbedürftig. Die Utopie eines wohlerzogenen Hundes, der wegen Scheidung abgegeben wird, haben wir nicht.

AniForte®: Viele Tiere sind also noch erziehungsbedürftig. Wie gehen Sie im Tierheim mit solchen Tieren um? Ergreifen Sie besondere Maßnahmen?

Frau Braun: Wir machen sogar sehr viel, um Tiere wieder vermittlungsfähig zu bekommen. Wir haben auch wie viele Tierheime mittlerweile, eine Hundetrainerin. Das bedeutet, dass sowohl mit den Tieren gearbeitet wird als auch das Personal und unsere ehrenamtlichen Gassigänger regelmäßig geschult werden.

Bei unseren Katzen arbeiten wir mit Katzenpsychologen, denn auch Katzen weisen immer mehr Verhaltensstörungen auf, wenn sie zu uns ins Tierheim kommen.

AniForte®: Wie vielen Tieren vermitteln Sie ein neues Zuhause im Jahr?

Frau Braun: Bei den Hunden sind es jährlich um die 40, bei Katzen liegen wir deutlich drüber, es sind ca. 300 jedes Jahr. Das ist natürlich ein großer Unterschied, allerdings muss man sagen, dass Katzen auch der größte Posten im Tierheim sind. Wir haben viel mehr Katzen als Hunde, die Kapazitäten für Stubentiger sind auch höher, daher vermitteln wir Katzen auch öfter. Und natürlich muss man auch sagen: Katzen sind meist viel pflegeleichter als Hunde und der Mensch hat einen deutlich geringeren Aufwand.

AniForte®: Was muss ich bedenken, wenn ich ein Tier aus dem Tierheim übernehmen möchte? Worauf achten Sie besonders?

Frau Braun: Leider haben wir zunehmend viele Menschen, denen es psychisch nicht gut geht. Unserer Erfahrung nach empfehlen viele Ärzte ihren Patienten über die Anschaffung eines Tieres nachzudenken. Die erste Anlaufstelle sind dann die Tierheime, was in der Regel gut ist. Allerdings treffen hier psychisch belastete Menschen auf ebenfalls belastete Tiere. Denn die Tiere, die im Tierheim sind, sind immer aus einem bestimmten Grund hier. Entweder haben sie etwas Traumatisches erlebt, waren ungewollt oder eben schwer zu erziehen. Diese Beziehung ist von vorneherein belastet.

Unsere Tiere benötigen Menschen, die wissen, dass sie ein vorbelastetes Tier aufnehmen. Menschen, die dazu bereit sind sehr viel Zeit in das Tier zu investieren. Wer einen Therapiebegleiter sucht, ist im Tierheim eindeutig falsch. Dafür gibt es sehr viele andere Anlaufstellen.

AniForte®: Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um ein Tier aus Ihrem Tierheim zu übernehmen?

Frau Braun: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Für uns ist ganz klar, niemand kann hierherkommen und sagen: „Der gefällt mir, den nehme ich mit!“ Wenn Interessenten kommen und nach einem Tier suchen, haben sie meist schon genaue Vorstellungen, welche Rasse, welches Alter etc. Wir schauen uns dann, den Lebensstil und die Lebensverhältnisse an und entscheiden gemeinsam, welcher Hund am besten zu diesem Menschen passen könnte. Anschließend werden 3-5 Besuche vereinbart in Form von Spaziergängen, Training mit dem Hund und auch mal ein Tag bei den potenziellen Hundebesitzern. Wenn der Hund nach einiger Zeit dann mehr nach den neuen Besitzern schaut und weniger nach uns Tierpflegern, ist für uns der Zeitpunkt gekommen, die Adoption einzuleiten.

AniForte®: Führen sie nach einer erfolgreichen Vermittlung regelmäßige Kontrollbesuche durch? Und wenn ja – wie sind dabei Ihre Erfahrungen?

Frau Braun: Wir Tierpfleger machen es selber nicht, dafür haben wir ein ehrenamtliches Kontrollteam, das unter anderem auch Besuche vor Ort übernimmt. Allerdings muss ich sagen, haben wir mit den meisten Hunden aus unserem Tierheim und ihren Besitzern immer noch Kontakt. Wir bekommen auch regelmäßig Fotos und Berichte, wie sich die Tiere entwickeln.

AniForte®: Kommen wir zu einem weiteren aktuellen Thema: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 17.08.2020 einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, dass Hundebesitzer ihrem Tier mindestens zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien gewährleisten müssen. Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Frau Braun: Ich persönlich denke, dass jedes Gesetz, welches das Leben der Tiere verbessert, ein gutes Gesetz ist. Im Moment ist es so, wenn jemand bei uns anruft und berichtet, dass sein Nachbar zum Beispiel am Tag 12 Stunden arbeitet und den Hund den ganzen Tag über alleine lässt, dann können wir das dem Veterinäramt melden. Die zuständige Behörde kontaktiert den Hundebesitzer und vermittelt ihm, dass er den Hund nicht so lange alleine lassen sollte. Es wird gekontert, dass der Hund gut versorgt ist, Futter und ausreichend zu trinken hat. Somit hat sich nach der bisherigen Gesetzeslage das Thema erledigt. Hätten wir dazu eine Gesetzesgrundlage, hätten die Behörden in solchen Fällen handhabe. Dieses Gesetz käme auch Zwingerhunden zugute, die den ganzen Tag auf 6 m² gehalten werden und kaum Auslauf haben.

AniForte®: Wie kann man Ihnen und dem Tierheim helfen?

Frau Braun: In einem Tierheim hat man sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten zu helfen. Angefangen von alten ausrangierten Handtüchern und Decken, Putzmittel, über Futter bis hin zu Zeit, die man mit den Tieren verbringt. Und natürlich auch durch Geldspenden, denn Geld kann man individuell einsetzen und gerade dort eingreifen, wo etwas dringend benötigt wird.

Ich empfehle jedem, der dem Tierheim in seiner Nähe etwas Gutes tun will, dort kurz anzurufen und nachzufragen, wo der Bedarf liegt.

AniForte®: Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Frau Braun: Ich möchte jeden dazu ermuntern und auffordern, bei der Tiersuche zunächst im Tierheim oder anderen Vermittlungsstellen sich kundig zu machen. Denn in Tierheim gibt es große, kleine, alte und auch junge Tiere, die zur Vermittlung stehen. Selbst exotische Tiere finden sich mittlerweile in Tierheimen, bei uns ebenfalls. Ich bin sicher, dass für jeden das passende Tier dabei ist.

Auf gar keinen Fall sollte man so genannte Vermehrer unterstützen und bei ihnen Tiere kaufen. Dadurch fördert man leider den kriminellen Tierhandel.

Tags: Tierschutz

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